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Know-how-Transfer: Das Spaltenzentrum Bischkek

 

Die zentralasiatische Republik Kirgistan ist nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in ihrem Übergang zur Marktwirtschaft nach wie vor dringend auf internationale Hilfe angewiesen. Angesichts der geringen Wirtschaftskraft leben noch 34 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Darunter leiden ganz besonders die Kinder.

Die deutsche AWD-Stiftung Kinderhilfe arbeitet auf Initiative ihres früheren Kuratoriums-Mitgliedes Dr. Ernst Albrecht (der bis 2005 den ehemaligen kirgisischen Präsidenten Akajev beriet) bereits seit einigen Jahren vor Ort und kümmert sich in verschiedenen Bereichen um bedürftige Kinder (zuckerkranke Kinder, Waisen, Aidsaufklärung, Straßenkinder). Sie arbeitet dabei bisher eng mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) vor Ort in der Hauptstadt Bischkek zusammen. Dabei entwickelte sich der Aufbau eines interdisziplinären Behandlungszentrums für Kinder mit Gesichtsfehlbildungen zu einem zentralen Anliegen.

Zwischenzeitlich waren diverse ärztliche Einsatzteams vor Ort und haben im National Center of Pediatrics and Child Surgery in der Hauptstadt Bischkek Kinder mit Gesichtsfehlbildungen chirurgisch rehabilitiert. In Absprache mit örtlichen Ärzten und Regierungsvertretern soll in den nächsten Jahren ein interdisziplinäres Behandlungszentrum aufgebaut werden, das auch die kieferorthopädische und phoniatrische/pädaudiologische Behandlung im Gefolge der operativen Rehabilitierung vorsieht. Träger des Projektes wird die AWD-Stiftung Kinderhilfe Schweiz sein.

Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG-Spalten) sind eine Gruppe von recht häufigen, angeborenen Fehlbildungen beim Menschen. Ihnen ist gemeinsam, dass sich in der Embryonalentwicklung Teile der Mundpartie nicht normal entwickeln. Umgangssprachlich werden sie diskriminierend oft als "Hasenscharte" (nach dem charakteristischen Spalt in der Oberlippe) oder in der schweren Form als „Wolfsrachen“ (schwere anatomische Beeinträchtigung durch Spaltung des Oberkiefer-, Zahn- und Gesichtsskelettes) bezeichnet.

Die vollständige Rehabilitation von Kindern mit LKG-Spalten erfordert nicht nur einen kompletten anatomischen und funktionellen Verschluss der Spaltbildung durch einen operativen Eingriff, sondern auch den Einsatz verschiedener konservativer Behandlungsmaßnahmen. Nur durch eine solche kombinierte Therapie, die eine Langzeitbehandlung von der Geburt bis ins frühe Erwachsenenalter bedingt, sind dauerhafte funktionelle Störungen, wie Sprachprobleme, Schwerhörigkeit als Folge der ungenügenden Ventilation des Mittelohres, Gebissfehlstellungen und Probleme der Nahrungsaufnahme durch Restperforationen im Gaumen, zu vermeiden. Eine solche umfassende Behandlung kann erfahrungsgemäß nur durch ein interdisziplinäres Behandlungsteam in einem Behandlungszentrum erreicht werden. Das ideale Kernbehandlungsteam setzt sich somit aus Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, Kieferorthopäden und Phoniatern/Pädaudiologen zusammen.

In Kirgistan (rd. 5 Mio. Einwohner) gibt es pro Jahr ca. 250 - 300 Neuerkrankungen, also Kinder, die mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten geboren werden. Diese Kinder müssen alle bis ins Erwachsenenalter versorgt werden. D.h. innerhalb der nächsten zehn Jahre werden rd. 2.500 Kinder und Jugendliche von dem Spaltenzentrum profitieren. Diese Kinder sollen durch das neu erworbene Know-how der einheimischen Chirurgen und Anästhesisten und die Etablierung einer Kieferorthopädie und einer Phoniatrie / Pädaudiologie vor einer dauerhaften schweren Behinderung bewahrt werden. Denn sie sollen nicht nur von einer schweren Entstellung befreit werden, sondern auch normal essen, hören, atmen und sprechen lernen.

Alle wichtigen Informationen zum Projekt können Sie hier downloaden.

PDF

LKG-Projekt Kirgistan (1020 Kb, PDF)

Spaltenzentrum Bischkek